Wissenswertes


Dr. Klaas Riepma

Kürzlich machte eine Nachricht vom niederländischen Verbraucherschutz Schlagzeilen. Darin hieß es: Über 20 % aller Vitamintabletten sind völlig nutzlos, d. h. die Inhaltsstoffe werden unverwertet wieder ausgeschieden. Wie das? Bei Multivitamintabletten meistens deshalb, weil sich die verschiedenen Inhaltsstoffe gegenseitig in ihrer Reaktion behindern oder weil zugesetzte Hilfsstoffe die Aufnahmefähigkeit bzw. Verwertbarkeit im Körper unmöglich machen.

Nun, Apothekern ist dieses Übel nicht erst seit gestern bekannt. Bei 20 % aller Vitamintabletten gilt es also als erwiesen, dass sie unverwertet wieder ausgeschieden werden! Das heißt umgekehrt natürlich nicht, dass die übrigen 80 % gut sind. Warum? Nehmen wir beispielsweise Mineralstoffe. Diese sind die größten "Diven", die mit sowohl Vitaminen als auch mit anderen Mineralstoffen in einer Tablette kaum eine Verbindung eingehen können, ohne dabei ihre gute Wirkung zu verlieren bzw. einen erheblichen Teil davon einzubüßen. Denn insbesondere Mineralstoffe lösen eine Vielzahl von chemischen Reaktion innerhalb einer Tablette aus. In einer meiner ersten Studien stellte ich sehr schnell fest, dass die Wirkung von Vitamin C - das ein immenses Reaktionspotential besitzt - innerhalb einer Tablette nur sehr schwer über einen längeren Zeitraum aufrecht zu erhalten war. Einfluss nehmende Faktoren sind erster Instanz natürlich die Formulierung bzw. die Rezeptur der Vitamintablette, ebenso die zugesetzten Hilfsmittel, aber auch die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit während der Herstellung. Es ist meiner Erfahrung nach sehr schwierig, eine Vitamintablette herzustellen, die einen stabilen Gehalt ihrer Inhaltsstoffe über einige Zeit gewährleistet.

Man kann ohne weiteres sagen, die Vitamintablette ist eine "lebendige Kreation". Und diese bedarf einer Menge Forschungsarbeit, Studien und auch Fehlern mit Rezepturen und Kombinationen der Inhaltsstoffe und Auswahl der Rohmaterialien, bis ein Produkt zustande kommt, das dem Wirkungspotential eines jeden seiner Inhaltsstoffe gerecht werden kann, ohne einen anderen in seiner Funktion zu behindern. Und dieser Aufwand ist teuer. Darum sind die meisten Tablettenformulierungen völlig unbelastet dieser Aufwändungen auf dem Markt, wenngleich die Beipackzettel die Wirkung des Präparates dennoch versprechen. Doch wie kann man als Verbraucher sicher gehen, ein gutes Produkt erworben zu haben? Hier einige Tipps:

  1. Hände weg von Multivitaminpräparaten. Kaufen Sie Vitamine und Mineralien besser in Einzelformulierungen, d. h. ein separates Vitamin C-Präparat, ein Calcium-Präparat u.s.w.
  2. Ob es sich um ein gutes Präparat handelt, finden Sie z. B. so heraus: Legen Sie die Vitamintablette in ein Glas lauwarmes Wasser. Innerhalb einer Stunde sollte sich die Tablette aufgelöst haben, dann ist sie okay.
  3. Kaufen Sie Vitaminpräparate nicht auf Vorrat, und brauchen Sie diese wenn möglich innerhalb eines Monats auf. Besser ist: Jeden Monat eine neue Packung kaufen.
  4. Bewahren Sie Ihre Vitaminpräparate luftdicht auf, trocken und kühl.

Falls Sie mit einem Produkt nicht zufrieden sind, testen Sie ein weiteres Produkt oder kontaktieren Sie den Hersteller und fragen ihn auch einmal kritische Dinge zu seinem Produkt. Schließlich sollen Ihnen Vitamine dabei helfen, Ihre Gesundheit zu schützen und zu erhalten. Und hierfür sollte Ihnen das Beste gerade gut genug sein.

Apotheker, Dr. K. A. Riepma

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